Henry van de Velde

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Henry van de Velde war einer jener Architekten, Künstler und Gestalter, der den Jugendstil einschneidend mitprägte. Henry van de Velde wurde 1863 in Antwerpen geboren und verstarb 1957 in Zürich. Nicht zuletzt seine vielseitige Kunst, welche sich dennoch immer auf das zentrale Element der Linie beschränkte, macht ihn zu einer Galleonsfigur dieser Stilrichtung. Seine erste bedeutende Errungenschaft war die Gründung einer eigenen Kunstgewerbeschule in Weimar, wobei das Schulgebäude selbst von ihm konzipiert wurde.

Henry van de Velde Aufnahme in den Deutschen Werkbund

Während der Zeit der Fertigstellung wurde Henry van de Velde auch in den Deutschen Werkbund aufgenommen, wo er unter anderem auf Künstler wie Anna Muthesius stieß. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges verlies er Deutschland aufgrund der Angst vor Übergriffen. In den Niederlanden setzte er seine Arbeit fort, wobei er hier auch ein ganzes Privatmuseum entwarf und verwirklichte. Hierzu gehörten auch Teile des Mobiliars, welche den jugendstyltypischen Elementen treu sind. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er schließlich in den 20er Jahren in Genf, wo ihm sogar eine Professur zuteil wurde. Aufgrund der Kritik seiner Aktivitäten im 2. Weltkrieg im besetzten Frankreich emigrierte er in die Schweiz, wo er letztlich auch starb.

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Der Jugendstil, auch als Art Nouveau oder Sezessionsstil bezeichnet, wurde bewusst von Künstlern der Arts and Crafts Bewegung in England entwickelt. Japanische Stilelemente waren hervorstechender Bestandteil der Jugendstilkunst. Schnell breitete sich der „modern style“ in der westlichen Kunst aus.

Prägend in der Möbelherstellung: eine geschwungene Linienführung und flächige Ornamente bei gleichzeitiger Zurücknahme der Symmetrie. Trotz der dekorativen Blickfänge, wirkten die Möbel elegant und leicht. Häufig wechselten gerade Teile in geschwungene Teilstücke über. Die Betonung der Linie als Spannungsbogen und die stilisierten Formen von Gräsern, Blättern, Zweigen, Blüten und Ranken sind die typischen Merkmale des Jugendstils. Auch findet man aus der Antike und der Gotik übernommene Stilelemente.

Jugendstil Möbel Künstler erschufen einst die moderne Einrichtungen, die heutigen Antiquitäten des Jugendstil

Der Jugendstil zeigt heute seine ganze variantenreiche Bandbreite, die eine klare Zuordnung mitunter erschwert. Dominieren Schwünge im deutschen Jugendstil, bestechen viele englische/schottische Jugendstilmöbel durch ihre schlichte Geometrie. Zu den ersten Möbelkünstlern auf dem europäischen Festland gehörten Henry van de Velde, Peter Behrens, Richard Riemerschmid, Bernhard Pankok, Bruno Paul. Sie sorgten mit ihren genialen Entwürfen, bei aller Kunstverliebtheit in der Formgebung, für die Funktionalität der teuren, handwerklich gefertigten Möbel, die nur einer elitären, reichen Schicht vorbehalten waren. Einarbeitungen exotischer Hölzer, Elfenbein- oder Perlmutt-Intarsien waren selten. Wenn vorhanden, charakterisieren sie den Wiener Jugendstil. Die Wiener Werkstätten begannen nach 1903, trotz Handfertigung, preiswertere Möbelstücke herzustellen, die dennoch dem ästhetisch-dekorativen Gesamteindruck „Jugendstil“ entsprachen. Mit Beginn der durch den Erfolg eingeleiteten industriellen Fertigung tritt verstärkt Symmetrie vor künstlerischen Ausdruck.

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Nicht nur in Deutschland gilt Henry van de Velde als bedeutende Persönlichkeit des Jugendstils. Er hat sich diesem Stil jedoch nie ganz unterworfen, auch wenn das – etwa bei seinen Thüringer Bauten – auf den ersten Blick so scheint. Die weiterführenden Einflüsse der Art Déco, das Industriedesign und die anspruchslose Bauhausgestaltung inspirierten ihn in Außen- und Innenarchitektur.

Henry van de Velde umfassendes gestalterisches Werk eingerahmt durch den Jugendstil Stuhl

Henry van de Veldes Entwürfe, nehmen wir nur die seiner Möbel, speziell der Stühle, waren keinesfalls anspruchslos. Beispielsweise das Modell, das er für den befreundeten Harry Graf Kessler fertigte, einladend und voller Individualität präsentiert sich dieser Stuhl – heutzutage in Museen. Die Linien sind klar, und immer schwingt die besondere Schönheit seiner Gestaltung mit. Auch Veldes Esszimmerstühle mit ihren durchbrochenen Verstrebungen der Rückenlehne, die an ein Kirchenfenster gotischen Ursprungs erinnern, zeigen, wie sehr er sich als zeitgemäßer Künstler verstand. Der Nostitzstuhl, u.a. zu sehen in der Kunstsammlung Weimar, erweckt den Eindruck, als hätte er vier Beine, die ohne ein vordergründig florales Element einem Blumenstängel nachempfunden sind, der der Vase eine edle Zier ist. Es ist ein beeindruckendes Design, das der Maler und Architekt in einer Vielzahl seiner Ideen kreierte. Die Erhabenheit seiner Möbel machen sie zeitlos. In ihrer Umsetzung findet sich stets Eleganz. Allein der Leuring-Hocker aus seiner Anfangszeit, der noch heute als Vorlage genutzt wird und fast unverändert als Nacharbeit zu erwerben ist, zeigt die künstlerische Meisterschaft, die sich durch Van de Veldes Arbeit zieht.

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