Jugendstil – ansprechende Verbindung von Antik und Art

Die Zeit der unter dem Begriff „Jugendstil“ zusammengefassten Gestaltungsergebnissen war nicht lang – in wenigen Jahren nach 1900 wurden einige Bauten, ihre Innenausstattung, Möbelstücke und Gebrauchsgegenstände von den Entwurfsprinzipien des Jugendstils geprägt. Was Möbelstücke und Wohnaccessoires betrifft, so ist es angesichts der Kürze der Epoche nicht viel, was das Sammlerherz finden kann. Und die einzelnen Stücke unterscheiden sich stark, denn es gab es keine Schule und keine Vorgaben – er „trieb seine Blüten“ in verschiedenen Ländern.

Und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Der Jugendstil zeigte sich ornamental, floral und lies vor allem Symmetrien außer Acht. Kaum eine kunstgeschichtliche Epoche war so vielfältig und eigenwillig und doch jedes einzelne Stück deutlich dieser Epoche zuzuordnen. Mehr als andere kunstgeschichtliche Epochen hatte der Jugendstil eine künstlerische Betonung – Antik und Art, das Historische und die Kunst, verbinden sich hier in ganz besonderer Weise.

Jugendstil ist die Abkehr vom Historismus

Der Jugendstil entstand in Abkehr zum Historismus, der vor der Jahrhundertwende beschrieben wird und die Folge der industriellen Revolution war: Was früher in Handarbeit oder Manufakturen sorgsam hergestellt wurde, wurde nun in Fabriken hergestellt – für wenig Geld und oft vollkommen überdekoriert … das ehemals Teure wurde für alle erschwinglich.

Verbindung von Antik und Art

Die Vertreter des Jugendstils suchten nach Formen, die dem Funktionalen dienten und die Erscheinung der Dinge einzigartig machten: Künstlerische Gestaltungen, Unikate – die Grundlage für die Bezeichnung Antik und Art – die sich deutlich vom dem, was industrielle Massenware war, abhoben. Möbelstücke aus der Zeit des Jugendstils sind Zeitzeugen des Weges in die Moderne, einer besonderen Lebensphilosophie und einer kurzen bewegten Zeit. Und gleichzeitig ausgesuchte handwerkliche und künstlerische Unikate – Antik und Art – die mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Antik Möbel – wie sieht Jugendstil wohnen aus

Jugendstil kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (1890-1905) auf. Die Bezeichnung „Jugendstil“ ist von der Deutschen Zeitschrift „Jugend“ abgeleitet, die erstmals über den neuen Möbelstil berichtete. Auch im französisch sprachigen Raum wurde der Jugendstil bekannt und wurde dort als „neue Kunst“ unter der Bezeichnung Art Nouveau bekannt. Innerhalb der Stils gab es zwei unterschiedliche Ausprägungen: geschwungenen Linien und den strengeren, linearen Stil von Künstlern wie Charles Rennie Mackintosh.

Weniger, aber dafür schönere Möbelstücke schmückten den Wohnraum

Einige Aspekte des Jugendstils wurden erneut in den 1960er Jahren modern, als man noch nicht unbedinft von antik Möbel sprach, wenn man Jugendstil Möbel meinte. Die Elemente waren zum Beispiel Blumen, Blätter, Wurzeln, Blüten und die weibliche Form wie etwa als Form einer geschwungenen Vase. Es wurden viele Edelhölzer, irisierende Glas, Silber und Halbedelsteine verwendet. Zu den bekanntesten Namen gehörte auch der tschechische Künstler Alphonse Mucha, der Plakate entwarf, der Architekt Victor Horta oder der Glas- und Schmuck-Designer René Lalique. Die berühmten Tiffany Lampen von Louis Comfort Tiffany waren ebenfalls prägend für den Jugendstil. Der Jugendstil schätzte die wahre Handwerkskunst und zwar aus der Befürchtung heraus, dass diese im Zeitalter der Industrialisierung verloren gehen könnte. Man schätze den Wert von natürlichen Formen und von handgefertigten Artikeln. Die Einrichtung zu Zeiten des Jugendstil sollte weniger mit Möbeln überladen wirken, jedes einzelne Möbelstück gewann an Bedeutung.

Jungendstil Lampen – Tiffany und die Art Nouveau

Wer kennt sie nicht, diese wunderschönen Tiffany-Lampen aus vielen farbigen Glasstückchen, mit einem wie gewachsen aussehenden Bronzefuß? Was Lampen des Jugendstils angeht, haben sich die Kunstwerke von Louis Comfort Tiffany nicht nur in Amerika sondern auch in Europa durchgesetzt und ihre Nachbildungen erfreuen auch immer noch Menschen, die ansonsten keinen Bezug zum Jugendstil haben.

Wie kommt das? Der 1848 in New York geborene Glaskünstler und Maler ließ sein Verfahren zur Herstellung einer besonderen Art von irisierendem Glas „Tiffany Favrile Glasses“ 1894 patentieren, 1895 entstanden die ersten Lampen in „Tiffany-Glaskunst-Technik“. Dabei werden die Glasstücke mit einseitig klebender Kupferfolie eingefasst und dann mit Lötzinn verbunden. Durch Patinierung werden die Lötnähte abgedunkelt.

Hunderte Glasstücke verarbeitet zu einem Jugendstil Lampen Kunstwerk von Tiffany

Die meisten Tiffany-Lampen lassen sich einer von sieben Kategorien zuordnen: Unregelmäßiger oberer und unterer Rand, Favrile (= handgearbeitet, mit Initialen LCT gekennzeichnet, später Favrile-Stempel), geometrisch, Übergang zu Blumen, Kegellampen mit Blumen und Kugellampen mit Blumen. Insbesondere aus den letzten beiden Kategorien mit ihren üppigen floralen Motiven, mit Libellen, Schmetterlingen und Pfauenfedern stammen die bekanntesten Tiffany-Lampen. Was man heutzutage als Tiffany-Lampen angeboten bekommt, sind nur ganz einfache und vergleichsweise billige Lampen, die in der Tiffany-Technik gearbeitet wurden, mit wenigen Glasstücken. Die original Tiffany-Lampen der Art Nouveau, wie der Jugendstil in Amerika genannt wurde, bestehen aus teilweise vielen hundert Glasstückchen, sind von Hand gearbeitet und haben ihren Preis: Ende 2008 wurde bei Sotheby`s eine Tiffany-Tischleuchte mit „Goldregen“-Motiv für 422.500 $ versteigert.

Jugendstil Sessel – wie erkennt man einen Jugendstilsessel

„Alles was an Althergebrachtes anlehnt, wird ausgeschlossen“, lautet das Motto des Jugendstils. Der Jugendstil erlaubte jungen Künstlern und Designern ihre Arbeiten ohne konventionelle Verbindlichkeit zu gestalten. Die Stilrichtung Jugendstil entwickelte sich um 1900 in Deutschland und Österreich und fand später unter der französischen Bezeichnung „Art Nouveau“ den Zugang zu amerikanischen Haushalten.

Jugendstil Sessel setzen räumliche Akzente

Sitzmöbel aus der Zeit des Jugendstils waren sehr kunstvoll gestaltet. Als charakteristische Hauptmerkmale des Jugendstils galten und gelten geschwungene Linien und Rundungen, florale Ornamentik im extravaganten Design sowie der Natur entlehnte und abstrahierte Linien. Später überwogen geometrische Ornamente. Die Stoffe, die für Sitzmöbel und Sessel verwendet wurden, waren sehr bunt und wirkten oft ausgesprochen üppig. Jugendstil Sessel bzw. Jugendstil Sitzmöbel allgemein setzen in jedem Raum Akzente, sie beeindrucken die Menschen auf Grund ihrer außergewöhnlichen Formgebung und Eleganz.

Kennzeichen gebogenes Holz – Jugendstilsessel als Kunst

Es gibt Jugendstilsessel aus gebogenem Holz und Sitzflächen mit Flechtwerk, aus Massivholz mit Palisander– oder Mahagonilackierung und einer dunklen Patina, oft finden sich an Kanten und Ecken glänzende Messingbeschläge. Die Sessel und die dazu gehörigen Tische wirken auch heute noch edel, formschön, stabil und schön. Die Stilperiode des Jugendstils war nur von kurzer Dauer, in der nachfolgenden Zeit legte man – siehe Bauhaus Stil – mehr Augenmerk auf Funktionalität. Die künstlerische Gestaltung von Gebrauchsgegenständen wie es der Überlegung des Jugendstil entsprach, traf nicht mehr den Zeitgeist.