Art Deco Möbel am Ende des Jugendstil

Die hohe Zeit der Art Deco Möbel war kurz. Sie begann um 1920 und endete mit dem Ausbruchd es zweiten Weltkriegs. Danach hatte wohl erst einmal keiner mehr Interesse an dem Luxusstil der „goldenen Zwanziger“. Art Deco Möbel waren zudem der letzte Versuch, der zunehmenden Massenherstellung von Möbeln eine solide handwerkliche Einzelanfertigung entgegen zu stellen. Die Bezeichnung Art Deco gibt es übrigens erst seit der französischen Ausstellung „Les Annees 25“ aus dem Jahre 1966 und bezieht sich auf eine französische Industrieausstellung von 1926.

Art Deco Möbel – Die Kunst der Dekoration

Die Kunst der Dekoration, so etwa übersetzt sich Art Deco, und bei Möbeln bedeutet das einerseits eine gewisse Sachlichkeit in der Form, andererseits jedoch eine bis heute unvergleichliche Handwerkskunst beim Ausgestalten der Möbel. Als Endpunkt des Jugendstils bemühte sich Art Deco die ornamentalen Auswüchse dieser Stilrichtung wieder etwas in Richtung Sachlichkeit einzudämmen. Es entstand eine neue Kunstrichtung die zwar einfacher in der Form war, jedoch keineswegs auf Luxus verzichtete. Der mondäne Stil der Art Deco Möbel wirkt durch die hochwertige Verarbeitung edelster Hölzer und Materialien.

Erstklassige Verarbeitung

Haifischhaut – auch Galuchat genannt – Schlangenhaut oder echtes Pergament, also die Haut junger Ziegen oder Lämmer, waren bevorzugte Bezugsstoffe, die noch durch bemaltes oder bedrucktes Leder ergänzt wurden. Erstklassig verarbeitete Edelhölzer wie Teak, Ebenholz oder Mahagoni – in Verbindung mit dekorativen Schnitzereien und Intarsien aus Schildpatt, Permutt und Elfenbein – sind die Hauptmerkmale echter Art Deco Möbel. Funktionalität kann man von Art Deco Möbel nicht unbedingt erwarten, aber ihre luxuriöse, bisweilen wuchtige Eleganz wirkt auch heute noch bestechend.

Jugendstil – ansprechende Verbindung von Antik und Art

Die Zeit der unter dem Begriff „Jugendstil“ zusammengefassten Gestaltungsergebnissen war nicht lang – in wenigen Jahren nach 1900 wurden einige Bauten, ihre Innenausstattung, Möbelstücke und Gebrauchsgegenstände von den Entwurfsprinzipien des Jugendstils geprägt. Was Möbelstücke und Wohnaccessoires betrifft, so ist es angesichts der Kürze der Epoche nicht viel, was das Sammlerherz finden kann. Und die einzelnen Stücke unterscheiden sich stark, denn es gab es keine Schule und keine Vorgaben – er „trieb seine Blüten“ in verschiedenen Ländern.

Und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Der Jugendstil zeigte sich ornamental, floral und lies vor allem Symmetrien außer Acht. Kaum eine kunstgeschichtliche Epoche war so vielfältig und eigenwillig und doch jedes einzelne Stück deutlich dieser Epoche zuzuordnen. Mehr als andere kunstgeschichtliche Epochen hatte der Jugendstil eine künstlerische Betonung – Antik und Art, das Historische und die Kunst, verbinden sich hier in ganz besonderer Weise.

Jugendstil ist die Abkehr vom Historismus

Der Jugendstil entstand in Abkehr zum Historismus, der vor der Jahrhundertwende beschrieben wird und die Folge der industriellen Revolution war: Was früher in Handarbeit oder Manufakturen sorgsam hergestellt wurde, wurde nun in Fabriken hergestellt – für wenig Geld und oft vollkommen überdekoriert … das ehemals Teure wurde für alle erschwinglich.

Verbindung von Antik und Art

Die Vertreter des Jugendstils suchten nach Formen, die dem Funktionalen dienten und die Erscheinung der Dinge einzigartig machten: Künstlerische Gestaltungen, Unikate – die Grundlage für die Bezeichnung Antik und Art – die sich deutlich vom dem, was industrielle Massenware war, abhoben. Möbelstücke aus der Zeit des Jugendstils sind Zeitzeugen des Weges in die Moderne, einer besonderen Lebensphilosophie und einer kurzen bewegten Zeit. Und gleichzeitig ausgesuchte handwerkliche und künstlerische Unikate – Antik und Art – die mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Jugendstil & Art Deco, was verbindet diese Stilrichtungen

Wenn von der Art Déco die Rede ist, kann man nicht umhin, desgleichen den Jugendstil zu erwähnen – die Zeit um die Jahrhundertwende bis 1914. Diese Epoche der Kunstgeschichte gebar gewissermaßen die verzierende Kunst, die als Art Déco eine Folgebewegung wurde. Mit ihrem Zentrum in Frankreich fand sie – in den Jahren 1920 bis 1940 – in Europa, und auch in den USA, willkommene, schnelle Verbreitung. Blumige Dekors, Asymmetrie, geometrische Formen, teilweise verfremdet, gelten als typische Kennzeichen, die es annähernd schon im Jugendstil – allerdings überschwänglicher – gegeben hatte. Ihre Eigenständigkeit kam bereits zum Vorschein.

Ob Art Deco oder Jugendstil – Hauptsache Abkehr vom Historismus

Auch wenn die so genannte Wiener Werkstätte – eine Gemeinschaft bildender Künstler – bemüht war, sich von Elementen des Jugendstils freizumachen, stattdessen Schlichtheit und Funktionalität bevorzugte, so war der nachhaltige Einfluss der vergangenen Stilepoche doch längst nicht zu leugnen. Innerhalb der Art-Déco-Bewegung selbst gab es verschiedene Varianten, die mehr oder weniger dieses Loslösen bezeugen.

Es gelang erst nach und nach, betörende Sinnlichkeit jugendstilistischer Prägung im Design zu überwinden. Verspielte Ornamente dieses Stils wichen zunehmend dem Abstrakten. Aus den geschwungenen Formen wurden gerade, unmittelbare Modelle. Ganz schmucklos, sozusagen unverblümt, war die Art Déco jedoch nicht denkbar. Die Verwandtschaft mit dem Fin de siècle, wie der Jugendstil in Frankreich auch genannt wurde, war unübersehbar. Eine grundlegende Abkehr vom Historismus, wie sie in der Zeit um die Jahrhundertwende schon durchbrach, wurde in der Art Déco immer ausdrücklicher offenbar.