Jugendstil Schränke – schlicht und schön?

Verglichen mit den Schränken des Barock oder der Neo-Renaissance mag der Jugendstilschrank schlicht wirken. Er dominiert durch klare Linien und ähnelt noch den Schränken der Gründerzeit. Auf angephaste Deckenplatten und Schnecken verzichtet der Jugendstil bei seinen Schränken jedoch nicht. Häufig werden balusterförmige oder geschwungene Füße verwendet, so dass der Schrank nicht klobig wirkt. In Rahmen eingelegte Holzplatten verleihen dem Jugendstilschrank eine klassische, schnittige Optik. Bei Kleider- und Bücherschränken sind im unteren Schrankraum plazierte Schubladen üblich. Aufwendige Exemplare wurden mit floralem Schnitzwerk verziert. Verwendetes Material war meist gebeiztes oder lackiertes Fichten- oder Kiefernholz. Diese Möbel schätzt man heute aufgrund des honig- oder goldfarbenen Farbtons in gewachster Ausführung.
Die gleichen Kriterien treffen für den Buffetschrank des Jugendstils zu. Mehrfache Glaseinsätze in den Türen des Aufsatzschrankes werten die Optik der schlichteren Exemplare beträchtlich auf.

Jugendstil Schränke für das Bürgertum

Doch mit dem Buffetschrank oder der Kredenz wird vor allem der Anspruch des gehobenen Bürgertums nach pompösen Möbeln erfüllt. So finden sich zahlreiche prächtige Buffetschränke aus Eiche oder Nussbaum mit Schnitzarbeiten. Zum Aufsatzschrank kommen hier noch beidseitige Seitenschränke. Die mehrfachen Glas- oder Spiegeleinsätze in Türen sind gewölbt oder angephast. Diese Schränke sind stilvoll und nicht überladen, aber sie sind nicht mehr schlicht.

Beliebte Jugendstil Antiquität – das Jugendstilvertiko

Eines der beliebtesten Antikmöbel heutzutage ist das Jugendstilvertiko. Seine Gestaltung lehnt an die der Schränke an. Häufig wird Kiefernholz verwendet, auch Fichte. Erlen- oder Eichenholz ist seltener. Die Schublade steht nach vorne meist ein Stück über, darunter befinden sich in der Regel zur Zierde Schnecken. Die Füße sind rund, ausgenommen bei ganz schlichten Exemplaren, die in konsequenter Linie ohne Schnecken und andern Zierrat auskommen. Einziger Schmuck bei diesen Stücken sind farbige Glasscheiben. Der Rückschluss, dass solche Vertikos Verwendung in wenig betuchten Haushalten fanden ist durchaus zulässig.

Der Aufsatz des zuerst beschriebenen Vertikotyps verfügt häufig über geschnitzte Säulen, eingesetzte Spiegelplatten und Schnitzzierrat. Vor allem aus Nussbaum- und Magahoniholz gefertigte Luxusvertikos punkten auch durch schmuckvolle Aufsätze. Darüber hinaus bietet der Jugendstil prächtige Eckschränke in fast modern wirkendem Design, als auch Salonschränken, die aufgrund der Kombination mehrerer schlichter Elemente und des Einsatzes von viel angephastem Glas zweifelsfrei als Prunkschränke zu klassifizieren sind.  Auf Luxus verzichtet letztendlich keine Stilepoche.