Ausstellung zum Werk von Peter Behrens

Einem der wichtigsten Künstler und Architekten der Moderne widmet die Stadt Erfurt seit kurzem eine neue Ausstellung. In der Kunsthalle Erfurt werden noch bis zum 16. Juni 2013 Werke aus dem umfangreichen Fundus von Peter Behrens gezeigt.

Vielseitige Designs in allen Bereichen

Die Ausstellung ist insofern besonders interessant, weil Behrens als Künstler ungemein vielseitig war und seine Arbeiten so gut wie alle Bereiche angewandter Kunst umfassen. Der Autodidakt Behrens designte Möbel, Porzellan und Silberschmuck befasste sich aber auch mit Werbeplakaten und Grafiken. Außerdem trat er später vor allem als Architekt in Erscheinung. Nach seinen Plänen wurden Fabrikanlagen, Verwaltungsgebäude aber auch Villen und Wohnsiedlungen gebaut.

Peter Behrens – Erste Werkschau seit 1980

Erfurt bietet erstmals seit 1980 wieder die Gelegenheit für Kunstinteressierte sich im Rahmen einer umfassenden Ausstellung mit dem vielfältigen Werk eines der bedeutendsten deutschen Künstler und Designers des 20. Jahrhunderts vertraut zu machen.

Jugendstil Künstler – Henri de Toulouse-Lautrec

Der französische Maler und Grafiker Henri de Toulouse-Lautrec gilt als Ikone des Jugendstils. In seinem kurzen Leben von 1864 bis 1901 malte und zeichnete er die bizarre Welt des Pariser Nachtlebens, an dem er selbst aktiv teilnahm. Huren, Ganoven, Artisten und all die anderen Nachtschwärmer zählten zu seinen beliebten Motiven. Wie es dem Jugendstil eigen war, strebte der Künstler nach Einfachheit und Sachlichkeit. Toulouse-Lautrec, der nach Beinbrüchen in seiner Jugend zeitlebens schwer gehbehindert war, zeichnete die Umwelt und die Menschen nicht geschönt. Dadurch unterscheidet er sich von anderen Plakatkünstlern des Jugendstils.

Henri de Toulouse-Lautrec Meister der Jugendstil Alltagskunst

Die nach der Münchener Zeitschrift “Die Jugend” benannte Kunstrichtung wollte den konsequenten Bruch mit traditionellen Stilrichtungen, die bis dato nachgeahmt wurden. Von 1894 bis 1914 war der Jugendstil die dominierende Kunstrichtung, die bist heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hat. Das gilt insbesondere auch für die kunsthandwerklich anspruchsvollen Jugendstil-Möbel, deren Kennzeichen Elemente aus der Blumen- und Pflanzenwelt, Schwingungen und Rundungen sind. Für diese Unikate haben die Jugendstil-Künstler vorwiegend edle Materialen verwendet. Die Kunst hielt somit Einzug in den Alltag. Das gilt auch für die Werke von Toulouse-Lautrec, dessen Reproduktionen noch heute begehrt sind. Der Künstler musste 37jährig dem exzessiven Nachtleben und dem übermäßigen Alkoholgenuss Tribut zollen. Er starb auf dem Schoß seiner Mutter.

Jugendstil Künstler – Émile Gallé

Emile Gallé, einer der großen Namen des Jugendstils, hatte zunächst eine ganz andere berufliche Richtung eingeschlagen, bevor er durch seine Entwürfe für Möbel und vor allem Glas- und Keramikkunst bekannt wurde. Obwohl er bereits in eine Familie hinein geboren wurde, die sich dem Handel mit kunsthandwerklicher Glas- und Keramikware verschrieben hatte, widmete er sich als junger Mann zunächst den Geistes- und Naturwissenschaften. Später erlernte er jedoch selbst das handwerkliche Arbeiten mit den Materialien, die auch später seine Werkstücke bilden sollten.

Émile Gallé lässt Erfahrungen aus Reisen in seine Entwürfe einfließen

Während seiner Reisen in Deutschland und Großbritannien sammelte der experimentierfreudige Künstler umfangreiche Erfahrungen und begann anschließend selbst, neue Techniken in der Glasbläserkunst zu erproben. Nach der Übernahme des elterlichen Betriebs baute er diesen im späten 19. Jahrhundert aus und vergrößerte ihn zu einem eigenen Kunstatelier für Keramik-, Glas- und Holzarbeiten. Schnell gelang es ihm, sich erfolgreich in der Szene zu etablieren und internationale Anerkennung zu erlangen. Auch der wirtschaftliche Erfolg blieb nicht aus. So wurde er Arbeitgeber für mehrere hundert Mitarbeiter in weiteren Vertriebsstätten seiner Werke in London, Paris und Frankfurt.

Gallé Lampen und Möbel sind Kunstwerken

Inspiration erlangte der Künstler nicht zuletzt aus seinen Studienjahren. Die Pflanzenwelt und die Natur allgemein waren es, die Émile Gallés Fantasie vor allem bei der Gestaltung seiner zum Teil mit ehrenhaften Preisen ausgezeichneten Vasen und Lampenschirme bereicherten.  Seine Möbelarbeiten spiegelten die Motive aus Natur und Pflanzenwelt in ihren klassischen Jugendstilformen ab. Organische Formen in der Grundstruktur und verspielte Detailarbeiten machten seine Möbel zu Kunstwerken, deren Originalität und Schönheit bis heute geschätzt werden.

Jugendstil Künstler – Heinrich Vogeler

Heinrich Vogeler zählt zu den vielseitigen und schillernden Vertretern der Jugendstilepoche, jener Stilrichtung die 1894 ihren Anfang nahm und bis in die Gegenwart einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Heinrich Vogeler – ein Universalkünstler

Der 1872 in Bremen geborene Vogeler war Pädagoge und Universalkünstler. Er arbeitete erfolgreich in den Bereichen Malerei, Grafik, Architektur und Design. Der sozial engagierte Künstler war einer der ersten Bewohner der berühmten Künstlerkolonie Worpswede. 1895 kaufte er dort das Haus Barkenhoff und gestaltete es zu einem Gesamtkunstwerk. Die Architektur und die Innenausstattung des Hauses sind ganz im Streben nach exklusiver Eleganz gehalten. Vogeler entwarf Möbel, Geschirr und Tapeten unter der Verwendung der Stilelemente des Jugendstils. Heute ist der Barkenhoff ein nach dem Künstler benanntes Museum, in dem der Besucher unter anderem das historische Jugendstil-Schlafzimmer mit den original Möbeln bestaunen kann. Weitere Exponate des Künstlers aus den Bereichen Schmuck und Glas befinden sich ebenfalls im Heinrich-Vogeler-Museum.

1941 – Tod im sowjetischen Exil

Der Pazifist und Sozialist Vogeler verband mit der Entstehung der Sowjetunion eine zeitlang große Hoffnung für eine gerechte Gesellschaft. Nach mehreren Besuchen in Russland in den zwanziger Jahren, reiste er 1931 erneut in die Sowjetunion. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 war für ihn eine Rückkehr nach Deutschland unmöglich geworden. Heinrich Vogeler starb 1941 im sowjetischen Exil.

Jugendstil Künstler – Henry van de Velde

Henry van de Velde war einer jener Architekten, Künstler und Gestalter, der den Jugendstil einschneidend mitprägte. Henry van de Velde wurde 1863 in Antwerpen geboren und verstarb 1957 in Zürich. Nicht zuletzt seine vielseitige Kunst, welche sich dennoch immer auf das zentrale Element der Linie beschränkte, macht ihn zu einer Galleonsfigur dieser Stilrichtung. Seine erste bedeutende Errungenschaft war die Gründung einer eigenen Kunstgewerbeschule in Weimar, wobei das Schulgebäude selbst von ihm konzipiert wurde.

Henry van de Velde Aufnahme in den Deutschen Werkbund

Während der Zeit der Fertigstellung wurde Henry van de Velde auch in den Deutschen Werkbund aufgenommen, wo er unter anderem auf Künstler wie Anna Muthesius stieß. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges verlies er Deutschland aufgrund der Angst vor Übergriffen. In den Niederlanden setzte er seine Arbeit fort, wobei er hier auch ein ganzes Privatmuseum entwarf und verwirklichte. Hierzu gehörten auch Teile des Mobiliars, welche den jugendstyltypischen Elementen treu sind. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er schließlich in den 20er Jahren in Genf, wo ihm sogar eine Professur zuteil wurde. Aufgrund der Kritik seiner Aktivitäten im 2. Weltkrieg im besetzten Frankreich emigrierte er in die Schweiz, wo er letztlich auch starb.

Jugendstil Stuhl nach Henry van de Velde

Nicht nur in Deutschland gilt Henry van de Velde als bedeutende Persönlichkeit des Jugendstils. Er hat sich diesem Stil jedoch nie ganz unterworfen, auch wenn das – etwa bei seinen Thüringer Bauten – auf den ersten Blick so scheint. Die weiterführenden Einflüsse der Art Déco, das Industriedesign und die anspruchslose Bauhausgestaltung inspirierten ihn in Außen- und Innenarchitektur.

Henry van de Velde und der Jugendstil Stuhl

Henry van de Veldes Entwürfe, nehmen wir nur die seiner Möbel, speziell der Stühle, waren keinesfalls anspruchslos. Beispielsweise das Modell, das er für den befreundeten Harry Graf Kessler fertigte, einladend und voller Individualität präsentiert sich dieser Stuhl – heutzutage in Museen. Die Linien sind klar, und immer schwingt die besondere Schönheit seiner Gestaltung mit. Auch Veldes Esszimmerstühle mit ihren durchbrochenen Verstrebungen der Rückenlehne, die an ein Kirchenfenster gotischen Ursprungs erinnern, zeigen, wie sehr er sich als zeitgemäßer Künstler verstand. Der Nostitzstuhl, u.a. zu sehen in der Kunstsammlung Weimar, erweckt den Eindruck, als hätte er vier Beine, die ohne ein vordergründig florales Element einem Blumenstängel nachempfunden sind, der der Vase eine edle Zier ist. Es ist ein beeindruckendes Design, das der Maler und Architekt in einer Vielzahl seiner Ideen kreierte. Die Erhabenheit seiner Möbel machen sie zeitlos. In ihrer Umsetzung findet sich stets Eleganz. Allein der Leuring-Hocker aus seiner Anfangszeit, der noch heute als Vorlage genutzt wird und fast unverändert als Nacharbeit zu erwerben ist, zeigt die künstlerische Meisterschaft, die sich durch Van de Veldes Arbeit zieht.

Jugendstil Künstler – Koloman Moser

Der österreichische Künstler Koloman Moser wurde 1869 in Wien geboren. Das Studium an der Wiener Akademie der Bildenden Künste finanzierte er durch zahlreiche Illustrationsaufträge, welche ihm zusätzlich zur künstlerischen Ausbildung eine hervorragende Praxis vermittelten. Weitere Lehrjahre an der Kunstgewerbeschule vollendeten seine Ausbildung. Die Mitgliedschaft im Wiener Künstlerhaus stellte Moser, welcher auch Kolo Moser gerufen wurde, offenbar nicht zufrieden. Er wurde 1897 Mitbegründer der Wiener Secession, einer Künstlergruppe die sich bewusst vom Historismus ab- und neuen Strömungen zuwandte.

Koloman Moser, Mitbegründer der Wiener Werkstätte

Zusammen mit Josef Hoffmann und Fritz Wärndorfer gründete Koloman Moser zwei Jahre später die Wiener Werkstätte, welche eine Produktionsstätte für alltägliche Gegenstände aber auch Schmuck und vor allem Möbel wurde. Die Zielsetzung des Unternehmens war es das Kunstwerk in die Gestaltung der Produkte einzubringen, und somit hochwertige Arbeiten den maschinellen Serienfertigungen entgegenzusetzen.

1905 trat Moser aus der Wiener Secession aus

Im Jahr 1905 trat Moser mit der so genannten Klimt-Gruppe wieder aus der Wiener Secession aus. Die Heirat mit Ditha Mautner Markhof, Tochter eines vermögenden Industriellen, im Sommer des gleichen Jahres ermöglichte ihm den vollen Einstieg in das gewerbliche Kunsthandwerk. Zwei Jahre später überwarf er sich mit Wärndorfer und gab die Wiener Werkstätte auf. Fortan widmete er sich verstärkt der Malerei und schuf Werke wie „Venus in der Grotte“, einem Gemälde das unverkennbar die Seele des Jugendstils innehat. Moser stirbt 1918 an den Folgen von Kehlkopfkrebs. Zu Lebzeiten war er unermüdlich auf der Suche nach neuen Innovationen und zählt aufgrund seiner Einflüsse zu den wichtigsten Künstlern und Begründern des Jugendstils.